Outlander – Claires Heilpflanzenwissen: Wahrheit oder Fiktion?

Teil 1: Jamies Schusswunde – Knoblauch, Hamamelis, Beinwell und Kirschbaumrinde

(Staffel 1, Folge 1 & 2)

(Achtung, dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung in Form meiner persönlichen Meinung zu Inhalten eines Films oder einer Serie.)

 Diejenigen unter euch, die mich persönlich ein wenig besser kennen, wissen, dass ich ein großer Fan von Historienfilmen und -serien bin. Alles, was nicht in unserer Zeit spielt und ein paar Jahrzehnte bis Jahrhunderte zurückliegt, interessiert mich sehr. Wenn das Ganze dann noch mit schönen Natur- und Landschaftsaufnahmen und einer Prise Fantasy gewürzt ist, hat man mich meistens um den Finger gewickelt. So war es auch im Falle von Outlander, einer Serie, die primär in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Schottland spielt, sekundär im 20. Jahrhundert, kurz nach dem Ende des ersten Weltkriegs.

 

An letzterem Zeitpunkt setzt die Serie zu Beginn auch an und erzählt von Claire Randall (Caitriona Balfe), einer Lazarettschwester, die nach Kriegsende mit ihrem Mann Frank Randall (Tobias Menzies) nach Schottland reist, um dort ihre zweiten Flitterwochen zu verbringen. Sie verbringen diese in dem Städtchen Inverness, das heute auch als das Tor zu den Highlands bezeichnet wird. Während Frank die freie Zeit unter anderem auch zur Ahnenforschung nutzt, beschäftigt sich Claire mit der lokalen Flora.

©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt
©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt

 

„Franks neuestes Steckenpferd war die Ahnenforschung. Er forschte nach seinen eigenen Ahnen. Meins war die Botanik. Ich entwickelte ein großes Interesse an der medizinischen Verwendung verschiedener Pflanzen und Kräuter.“

Zitat von Claire aus Staffel 1, Folge 1

In ihrer gemeinsamen Zeit in Inverness lernen die beiden auch lokale Bräuche und Traditionen kennen. Eines Morgens stehen sie früh auf, um am Craigh na Dun, einem Steinkreis aus der frühen Bronzezeit, das Ritual einer modernen Druiden-Gruppierung anzusehen. Als das Ritual vorbei ist, erkunden sie den Steinkreis selbst und Claire widmet sich den dort wachsenden Pflanzen. Sie kehrt tags darauf alleine zurück, da sie sich eine der Pflanzen (ein Vergissmeinnicht) zur Bestimmung noch einmal genauer ansehen möchte. Am Steinkreis nimmt sie plötzlich ein Summen und Vibrieren wahr, das vom größten Stein in der Mitte des Kreises auszugehen scheint. Sie berührt ihn und findet sich kurz darauf im Schottland des 18. Jahrhunderts wieder.

 

Dort gerät sie direkt zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen den englischen Rotröcken, angeführt von Jonathan „Black Jack“ Randall (einem direkten Vorfahren ihres Manns Frank, wie sich später herausstellt) und rebellierenden, schottischen Clans. Einer der Schotten, Murtagh Fitzgibbons (Duncan Lacroix), rettet sie und bringt sie in eine kleine Hütte, in der sie auf weitere Clanmitglieder, unter anderem auch den jungen Jamie Fraser (Sam Heughan), trifft. Dieser hat von vorherigen Kämpfen eine ausgekugelte Schulter davongetragen, welche ihm Claire wieder einrenkt. Die Clanmitglieder nehmen Claire mit, treffen jedoch erneut auf die Rotröcke. Dabei wird Jamie an der Schulter angeschossen. Claire kann die Wunde notdürftig versorgen, doch die Gemeinschaft beschließt trotzdem, zur Burg Leoch, dem Sitz des Familienoberhaupts des MacKenzie-Clans, Colum MacKenzie (Gary Lewis), zurückzukehren. Erst dort kann sich Claire mit Hilfe der Haushälterin Mrs. Fitz (Annette Badland) besser um Jamies Verletzung kümmern.

©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt
©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt

Claire bittet Mrs. Fitz um Medizin, mit der sie die Wunde desinfizieren kann, um Schwellungen und Fieber vorzubeugen. Dafür verwendet sie schließlich Knoblauch und Hamamelis und gegen die Schmerzen Beinwell und Kirschbaumrinde. Soweit man in der Folge erkennen kann, wird alles als Dekokt/Absud gekocht. Mit diesem werden frische Tücher getränkt, als Wundauflage verwendet und mit Bandagen fixiert. Man sieht aus der Auflage auch noch Pflanzenteile hervorschauen, die Beinwellblättern tatsächlich sehr ähnlich sehen.

Doch sehen wir uns die einzelnen Zutaten des Absuds doch einmal genauer an.

Knoblauchknolle und Knoblauchzehen
Knoblauchknolle und Knoblauchzehen

Knoblauch

(Allium sativum L.)

 

Der Knoblauch gehört zu den Lauch- beziehungsweise Liliengewächsen. Seine charakteristischster Inhaltsstoff ist die schwefelhaltige Aminosäure Allin, welche beim Zerkleinern oder Zerstören der Pflanze in Allicin umgewandelt wird, dem sogenannten Lauchöl. Knoblauch wird in der modernen Phytotherapie in Form von Präparaten (zum Beispiel Pulver, Extrakte oder Öl) vor allem bei erhöhten Cholesterinwerten und aufgrund seiner ausgleichenden Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System bei zu hohem Blutdruck empfohlen.

 

Zudem besitzt er eine antiseptische (Minderung von infektiösen Keimen), antimikrobielle (Reduzierung der Vermehrungsfähigkeit und Infektiosität von Mikroorganismen bis hin zu ihrer Abtötung) und fungizide (pilzabtötende) Wirkung und kann daher als natürliches Antibiotikum betrachtet werden.


Hamamelis/Virginische Zaubernuss

(Hamamelis virginiana L.)

 

Hamamelis, oder auch Zaubernuss genannt, gehört zur Familie der Zaubernussgewächse und ist ursprünglich im östlichen Nordamerika beheimatet. Sie diente dort schon den Stämmen der Native Americans als Heilpflanze. Die Cherokee verwendeten sie beispielsweise in Form von Absuden als Schmerzmittel und bei Hautverletzungen oder als Tee bei Erkältungen. Zu Heilzwecken werden vorwiegend die getrockneten Blätter, die Rinde und das durch eine Destillation der Zweige gewonnene Hamameliswasser (ätherisches Öl) der Virginischen Zaubernuss verwendet.

 

Der medizinisch relevanteste Inhaltsstoff von Hamamelis sind die sogenannten Tannine, welche zu den Gerbstoffen gehören. Gerbstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe, die eine adstringierende (zusammenziehende) Wirkung haben und dafür sorgen können, dass sich (lebendes) Gewebe schneller verdichtet und darauf eine Schutzmembran ausgebildet wird. Durch die zusammenziehende und damit austrocknende Wirkung wird Bakterien und Pilzen der Nährboden entzogen. Sie können so schwerer ins Hautgewebe eindringen. Dadurch wird eine antimikrobielle Wirkung erzielt und Entzündungen vorgebeugt.

Virginische Zaubernuss | ©Hans – pixabay.com
Virginische Zaubernuss | ©Hans – pixabay.com

Beinwellblüten
Beinwellblüten

Beinwell

(Symphytum)

 

Der Beinwell gehört zur Familie der Borretschgewächse. Er wurde vermutlich schon in der Antike als Heilpflanze verwendet. Sein Name leitet sich von wallen oder wellen ab, was für zuheilen oder zusammenwachsen steht.

 

Mit zusammenwachsen lässt sich auch sein botanischer Name, Symphythum, übersetzen. Das Bein im Namen bezieht sich natürlich auf seinen Einsatzort: Gebeine, also Knochen. Wissenschaftlich belegt ist heute seine Wirksamkeit bei einer äußerlichen Anwendung bei sogenannten stumpfen Traumata wie Prellungen, Quetschungen, Zerrungen und Verstauchungen, aber auch Wunden. Dafür werden die Beinwellblätter- und wurzeln meist in Form von Salben oder Gelen verwendet.


 Es ist jedoch zu beachten, dass Blätter und Wurzeln niemals innerlich angewendet werden sollten, da die Pflanze eine geringe Menge an giftigen Pyrrolizidinalkaloiden enthält, welche in höherer Dosierung die Leber schädigen und die Entstehung von Krebs begünstigen können. Auch bei einer direkten Anwendung auf offenen Wunden ist Vorsicht geboten. In Deutschland ist der Einsatz von Beinwell als Phytotherapeutikum daher nur unter strengen Einschränkungen erlaubt.

 

Medizinisch wirksame Inhaltsstoffe sind Allantoin, welches eine positive Wirkung auf die Haut haben kann, da es die Zellbildung- und -regeneration beschleunigt und beruhigend wirkt, sowie Cholin, das die Durchblutung von verletztem Gewebe fördern und Zellmembranen aufbauen und verstärken kann. Enthaltene Schleimstoffe sorgen zudem für eine Reizmilderung und Entzündungshemmung. Weiterhin wird dem Beinwell eine abschwellende und schmerzstillende Wirkung zugeschrieben.

Beinwellblätter
Beinwellblätter

Bewertung der verwendeten Heilpflanzen im Kontext zu den Geschehnissen in der Serie

Mit Knoblauch haben wir einen Bestandteil, der durch seine antiseptische, antimikrobielle und fungizide Wirkung dafür sorgen sollte, dass sich Jamies Schusswunde weder entzündet noch infiziert, was unter den damals vorherrschenden Hygienezuständen wohl durchaus von Vorteil ist.

 

Die Hamamelis mit ihren adstringierend wirkenden Inhaltsstoffen fördert das schnelle Heilen und Verschließen der Wunde, wodurch Bakterien und Pilze schwerer eindringen können. 

 

Der Einsatz von Beinwell auf einer offenen Schusswunde ist aus heutiger Sicht aufgrund der giftigen Pyrrolizidinalkaloide zwar kritisch, doch in historischem Kontext und auch aufgrund der Tatsache, dass er verdünnt mit anderen Pflanzen ausgekocht wird und das Blatt offenbar auch nicht direkt auf der offenen Wunde aufliegt (siehe Foto), ist seine Anwendung trotzdem vertretbar. 

 

Lediglich die verwendete Kirschbaumrinde gibt Rätsel auf, da man nicht weiß, von welchem Kirschbaum sie stammt. Laut Dialog wird sie anscheinend gegen die Schmerzen verwendet. Das könnte für die Kornelkirsche sprechen, welche adstringierend wirkende Gerbstoffe besitzt und zudem Entzündungen hemmt und Schmerzen lindert.

©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt
©Netflix | Bildbearbeitung: Larissa Engelhardt

Fazit

Chapeu an die Autor:innen von Outlander, sie haben Claire ein für die damalige Zeit stark wirksames Heilmittel für Jamies Schusswunde herstellen lassen, mit dem er schnell wieder gesund werden sollte. Unter phytotherapeutischen Aspekten sind die Verwendung von Knoblauch, Hamamelis, Beinwell und auch die der Kirschbaumrinde (wenn es denn die der Kornelkirsche ist) für diese Art von Verletzung durchaus nachvollziehbar. 


Hinweis: Mein Wissensstand beruht auf selbst und von anderen erlerntem Wissen und persönlichen Erfahrungswerten. Er ersetzt jedoch nicht den Gang zu Ärzt:innen, Apotheker:innen und Mediziner:innen.