It's gettin' cold out here, so take off all your clothes

Warum sind die Bäume nackig?

Sieht man im Moment nach draußen, drängt sich wohl vielen das Wort Tristesse auf.

Das Farbspektrum der Natur scheint lediglich aus Braun, Grau und einem eher matschigen Grün auf den Wiesen zu bestehen. Die Bäume tragen – wenn überhaupt – nur noch vereinzelt ein paar bunte Blätter, ansonsten sind sie kahl. Doch was ist eigentlich genau passiert?

 Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, weniger Sonneneinstrahlung vorherrscht, die Temperaturen sinken, der erste Frost kommt und viele Pflanzen schon Früchte entwickelt haben, wird das Startsignal zur Alterung gegeben und es werden Alterungshormone gebildet. Alterungshormone bei Pflanzen sind uns auch aus dem Alltag bekannt. Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass Obst, das neben Äpfeln gelagert wird, schneller weich und/oder braun wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Äpfel bei ihrer Reifung das Alterungshormon Ethylen freisetzen. Dieses wirkt sich auch auf anderes Obst in der Nähe aus, was zur Folge hat, dass es schneller altert. Es empfiehlt sich also, die Äpfel ein wenig weiter entfernt von anderen Obstsorten zu lagern – außer man hat diese im unreifen Zustand gekauft und wünscht sich, dass sie schneller reifen.

Bei Pflanzen in freier Wildbahn ist Alterung eine Art geordneter Rückzug im Jahresverlauf, in dem das Wachstum abnimmt, keine neuen Blätter und Triebe mehr gebildet werden und sich die Pflanzen in ihre Überdauerungsorgane, wie Wurzeln, Stamm, Äste, Knollen, Zwiebeln und unterirdische Ausläufer zurückziehen. Dort werden dann Kohlenhydrate als Energie- und Kohlenstoffspeicher angelegt, damit die Pflanzen im nächsten Frühjahr wieder von selbst austreiben können.

 

Während des Alterungsprozesses degenerieren außerdem die Wachstumszonen. In den Blättern wird der grüne Farbstoff, Chlorophyll, auch Blattgrün genannt, abgebaut und es ist keine Photosynthese mehr möglich. Dadurch werden Farben sichtbar, die im Sommer vom Chlorophyll überdeckt wurden und die typische Herbstfärbung entsteht: Gelb, orange, rot oder sogar violett. Dabei werden die Strukturen der Zellen in den Blättern funktionslos und das Blatt wird für die Pflanze wertlos. Die Wasserversorgung der Blätter wird eingestellt, die Leitbahnen zu den Blättern werden mit einer Korksubstanz verstopft und die Blätter fallen ab: Der Baum wird nackig.


Übrigens: Herbstlaub enthält noch immer Zellulose, Holzstoff und Mineralstoffe. Diese Stoffe kommen durch Verrottung wieder in den Boden und dienen als natürlicher Dünger. Das Laub wird außerdem von Pilzen, Schnecken, Regenwürmern und Bakterien zu Humus verarbeitet. Aus Laub kann also auch neue Erde entstehen und in dieser wieder neue Pflanzen wachsen. Deshalb kann ruhig davon abgesehen werden, Herbstlaub zu entsorgen oder im schlimmsten Fall zu verbrennen. Es düngt den Boden, dient vielen Kleinstlebewesen als Nahrung und in Form eines zusammengerechten Haufens auch Igeln als Winterquartier.